Pakistan

LOLLYWOOD

Es gibt Hollywood Filme aus Kalifornien in den USA, Bollywood Filme aus Bombay in Indien und Lollywood Filme aus Lahore in Pakistan. Immer gut zu wissen. Ich fand’s erst etwas schade, dass ich Indien nicht ins Kino gegangen war, nach allem, was man über Bollywood Filme hört. Aber dann kam unerwartet das Angebot von Malik, dem Besitzer von unserem Guesthouse in Lahore, um zu einer Lollywood Filmpremiere zu gehen. Und zwar nicht eine beliebige Premiere! Es handelte sich um das Revival der Pakistanischen Filmindustrie, weil diese die letzten Jahre ausgestorben war. Es gab einen roten Teppich, das Publikum bestand aus der High Society von Lahore und der Film zeigte lauter berühmter Schauspieler (das erahnte ich jedenfalls, anhand des Gejubels vom Publikum). Ich fühlte mich in meiner ‚Islamitenkluft‘ völlig underdressed. Die Hauptdarstellerin kam sogar in einem eng anliegenden Kleid ohne Ärmel. So etwas bekommt man nicht mal im etwas moderneren Indien zu sehen!
Naja, der Film dauerte ewig, ich verstand bloss die Hälfte der Geschichte und schlief sogar ein paar Mal kurz ein. ABER, die kitschigen Aufnahmen, das absurde Schauspielern, die Tänze und Playbackszenen waren köstlich. Und am meisten gefiel mir wie die Zuschauer mit eiferten bei den ‚Liebesszenen‘ (immer ohne Küssen!) oder Kampfszenen. Check hier unten das Filmli mit verschieden aneinander gefügten Szenen, die ich an dem Abend aufgenommen habe.

Some like it hot!
Wir haben uns mittlerweile recht gut an warmes und feuchtes Klima gewöhnt. Herrlich! Aber seit drei Wochen wird es jeden Tag heisser und trockner. Und als wir in Pakistan waren, herrschten Temperaturen, die wir nie zuvor so extrem erlebt hatten. Vor allem das niedrigere Gebiet von Lahore bis Sibi war sehr extrem. Es ist schwierig zu beschreiben, wie sich 40°C oder sogar 44°C anfühlen. Versuch dir vor zu stellen, dass du tagelang in der Sauna bist, ohne Unterbruch. Und wenn du beim Fahren die Hand aus dem Fenster steckst, ist der Wind so warm, dass es sich anfühlt, als ob jemand mit dem Föhn gegen die Hand bläst. Oder du kaufst dir eine gekühlte Flasche Wasser und nach einer halben Stunde ist das Wasser so warm wie eine Tasse Tee. So ungefähr…
Komischerweise fühlten wir nicht allzu schlapp und tranken wir ‘bloss’ 3x mehr pro Tag als gewöhnlich. Aber nachts konnte Schlafen schon mal schwierig sein. Vor allem als in Lahore ständig der Strom ausfiel, wodurch der Ventilator nicht mehr funktionierte. Oder als es in Sibi immens heiss war in Kombination mit lauter Mücken im Zelt, da hatten wir doch praktisch eine schlaflose Nacht. Zum Glück fahren wir jetzt nordwärts und brauchen nicht mitzuerleben, wie es bei 52°C zu und her geht.

The Good, the Bad and the Ugly
Okay, wir werden uns nicht über die Politik Pakistans äussern. Das haben wir bewusst bei keinem Land getan, weil doof um drüber zu schreiben und ist oft eh viel zu komplex um es gut zu verstehen und zu erklären. Aber wir möchten erzählen, wie wir die Sicherheit erfahren haben. Pakistan steht nicht grad gut angeschrieben in den Medien und es kommen regelmässig Meldungen in den Nachrichten über Bombenanschläge. Das machte es für uns (und unsere Leute zu Hause) schon ein wenig spannend. Andrerseits haben wir mittlerweile viele Overlanders kennengelernt, die die Reise durch Pakistan prima überstanden haben. Und alle erzählen sie dieselben Geschichten. Nämlich dass es ein sehr gastfreundliches Land ist mit netten Menschen und vor allem im Norden einer irrsinnigen Natur. Letzteres konnten wir nicht selber erleben (sind direkt Richtung Iran gefahren), aber den Rest erkennen wir absolut (wurden zum Beispiel gleich am ersten Abend bei Leuten zu Hause zum Essen eingeladen). Obwohl es nun auch wieder nicht so ist, dass dich hier keiner über’s Ohr hauen will. Es ist bloss viel weniger extrem als in Indien, also schon eine Erleichterung, haha.
Anyway, wir fühlten uns eigentlich nie unsicher. Auch nicht in Quetta, wo wir wussten, dass ein paar Tage zuvor eine Bombe explodiert war. Wir sind quer durch die Stadt gefahren, aber konnten nicht sehen, wo die Explosion stattgefunden hatte. Also schätzen wir, dass die Chance, dass wir genau zu einem Moment am verkehrten Ort in Pakistan landen würden, viele Male kleiner als dass wir im verrückten Verkehr in Indien einen Autounfall kriegen sollten. Toll Statistik, ne?
Und dann waren da noch die Eskorten… Klingt alles sehr cool, aber wir hatten uns schnell dran gewöhnt. Die erste Eskorte kriegten wir erst in Sibi, wo wir bereits ¾ des Landes durchquert hatten. Im Vornherein durften wir zu Hause beim Polizeichef von Sibi zum Interview, weil er uns gerne kennenlernen wollte. Am nächsten Tag fingen die Eskorten an. Erst war es ein Mann mit einem flattrigen Anzug auf einem Motorrad. Danach kamen die Pick-up Trucks mit ein paar bewaffneten Polzisten, die sich sehr gerne fotografieren liessen. Die fuhren jeweils etwa 60km mit uns mit, bis ihr Bezirk aufhörte, und die nächste Eskorte auf uns wartet. Alles recht gut aufeinander abgestimmt, muss man sagen. Und die letzten 350km sass jeweils ein Mann bei uns im Auto (also auch alle 60km wieder ein anderer). Dies waren alles etwas schweissige, aber freundliche Herren mit einer Kalaschnikow, die sich ebenfalls gerne fotografieren liessen. Wie nett!

The Color Purple
Pakistan bunt? Natürlich ist kaum ein Land so bunt wie Indien, aber dennoch waren wir überrascht über die Farben Pakistans. Zum einen mal die Natur. Klar gibt’s auch viele wüstenartige Gebiete, aber im Allgemeinen fanden wir das Land grüner als erwartet (Mangobäume in Pakistan? Ja klar!). Ein Wunder bei der Hitze!
Dann gab’s da die Kleider der Frauen die ebenfalls viel bunter war als erwartet. Es gab keine Farbe, die wir nicht gesehen haben. Aber, es sind schon immer Kopftücher. Bloss im modernen Lahore konnte man mal ne Frau ohne entdecken. Ansonsten trugen die Frauen (insofern man überhaupt Frauen erblicken konnte…) überall Kopftücher, obwohl es vom Gesetz her nicht obligatorisch ist. Daran konnten wir schon merken, dass Pakistan ein ziemlich altmodisches Land ist. Also entschied ich mich auch oft freiwillig (jaja, du liest richtig) dazu, ein Kopftuch zu tragen. Das tat ich vor allem, um die starrenden Blicke von Männern etwas zu vermindern, denn ich finde es nach wie vor einen Blödsinn, das Getue um sich die Haare zu bedecken. Die Kleidung der Männer in Pakistan ist viel weniger bunt und verschiedenartig. Eigentlich tragen alle Männer eine weite Hose und darüber ein grosses Hemd bis auf die Knie. Farbe: weiss, beige, hellblau, braun oder schwarz. Wouter hat sich auch so eine Kombi angeschafft für umgerechnet € 0,90.
Und dann der Höhepunkt der Farben: die Lastwagen! Es scheint, als ob der Status von einem Lastwagenfahrer von seinem Gefährt abhängt, so wild sind sie hier bemalt. Nebst allerlei kitschigen Motive haben die Lastwagen vorne auch oft eine Reihe mit Ketten, die ein schönes Geräusch machen beim Fahren. Und die lustigste Verzierung sind die Windräder in der Form einer Blume, die sich beim Fahren fröhlich drehen.

1 Comment

  • 1. adi  |  May 1, 2010 at 23:13

    wieder mal tolle fotos schwesterherz!


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