Italien – Schweiz – Deutschland

LIVE BERICHT UNTERWEGS

Setting:
Es ist herrliches Wetter, wir campieren an einem See in Italien auf einem Camping. Bloss eine Nacht schlafen wir während unseres Italienaufenthaltes in der Natur (N42 15.472 E13 46.312 – kann es jedem mit einem 4×4 empfehlen!). Alle anderen Nächte stehen wir auf einem Campingplatz. Mir gefallen die nicht so, merke ich. Jedenfalls nicht auf dieser Reise. Es kostet ein kleines Vermögen, das Finden eines Platzes ist völlig un-abenteuerlich, und man muss einen halben Marathon zu Fuss zum Klo gehen und kann nicht gleich neben dem Auto pinkeln (bloss ganz spät nachts, wenn alle schlafen, hehe). Und wenn man dann seine Wanderung zum WC macht, wird man durch alle Leute beobachtet, die den ganzen Tag mit ihren dicken Hintern auf ihren Campingstühlen sitzen, umgeben von ihren Gartenzwergen. Wie ein Dorf mit zu viel sozialer Kontrolle. Aber, es war schon okay, sich hier zwei Tage zu entspannen (denn alle Tage autofahren kann sogar in Europa anstrengend sein), mein Buch zu Ende lesen, Brassen zu fischen und den Bericht über Griechenland zu schreiben.

3 Tage später…
Wir fahren am Ufer des prächtigen Lago Maggiore. Wie ist es hier doch schön! Die bewaldeten Berge mit ab und zu ein paar Nebelwolken erinnern mich lustigerweise an Südostasien. Ich sitze zur Abwechslung mal am Steuer. Nach einer Kurve fahre ich plötzlich einem Tor entgegen worauf ‘Dogana Italiana’ steht. Überrascht über wie schnell das ging, denke ich noch: jetzt kommt also die Italienische Grenzzone, müssen wir bei der Barriere anhalten, dann beim nächsten Häuschen unsere Identitätskarten zeigen, beim 3. Posten erzählen, dass wir echt keine Drogen dabei haben und so weiter. Aber der nächste Bogen, 100m weiter, ist bereits der Schweizer Zoll. Bei beiden werden wir uninteressiert weitergewunken. Also haben wir soeben zwei Grenzübergänge in wohlgemerkt 10 Sekunden durchquert. WOW! Was für eine ungewohnte Rekordzeit, verglichen mit den 1 bis 8 Stunden, die wir normalerweise brauchten. Und wie bin ich plötzlich überrumpelt, dass ich schon so schnell wieder in meinem Heimatland bin. Die Tränen schiessen mir spontan in die Augen. Und wieder bin ich wieder völlig bezaubert, weil es hier landschaftlich so schön ist. Dazu kommt, dass in der letzten Nacht so stark geregnet hat, dass alle Wasserfälle in voller Kraft über die Felswände nach vorne schiessen. Ich kann mit einem guten Gewissen behaupten, dass die Schweiz eines der schönsten Länder der Welt ist.

4 Tage späger…
Alle Sfintesco’s sind wieder geknudelt, und hie und da ein paar Schweizer Freunde und Bekannte getroffen. Unser nächstes Ziel: Bern. Genauer gesagt: die Hofstetters! Ja, wir sie konnten natürlich nicht in ihrem Heimatland verpassen, nachdem wir sie bereits in 7 Ländern getroffen haben während unserer Reise. Also haben wir zwei Tage Overlander-Geschichten ausgetauscht über alle schönen und schrägen Dinge, die wir gemeinsam erlebt haben, uns den neuen Bärengraben in der Stadt angeschaut und den unvergesslichen Sieg der Schweiz über Spanien gefeiert.

2 Tage später…
In einem Ruck von der Schweiz nach Groningen fahren, war uns dann doch zu extrem. Also haben wir unterwegs Halt gemacht bei Katrin und Moni, zwei witzige Deutsche Ureinwohnerinnen 😉 aus Ansbach, die wir in Indien kennengelernt hatten. Sie haben uns ihre Stammkneipe gezeigt, das lokale Schloss, die leckersten Semmeln aus der Stadt, die nahe gelegene Touristenstadt Rothenburg und nicht zu vergessen: Fussball WM! Diesmal hatten wir das Vergnügen zu sehen, wie Holland von Japan gewinnt.

Und jetzt!
Sind wir zum letzten Mal unterwegs mit Meopar. Der Countdown läuft. Zehn, neun, acht, sieben… Aber dennoch fühlt es sich unwirklich an. Vorläufig schweben wir noch im Reisegefühl. Also geht Zurückblicken noch nicht. Das kommt dann später. Wenn mehr Abstand da ist. Die Schweiz mein ‘daheim-heim’ liegt bereits hinter uns, und Groningen mein ‘daheim’ bloss noch 534km vor uns. Ein Katzensprung, wenn man insgesamt 65‘000km gereist ist. Dieser Bericht wird also offline geschrieben, Laptop auf dem Schoss, und ab und zu ein kurzer Blick aufs GPS. Die Landschaft muss nicht mehr konstant bewundert werden, die Strassen sind glatt ohne Löcher, und es schlendern keine Kamele in entgegengesetzte Richtung auf der Fahrbahn, die eine Karre hinter sich her ziehen. Auch fährt niemand mehr hupend und wild winkend an einem vorbei, weil er noch nie zuvor einen Ausländer durch sein Land hat fahren sehen.

Für jemanden, der im Alltag steckt und ein Leben mit einer Agenda führt, wird es sich wohl sehr konkret anhören, wenn man sagt: heute ist Sonntag der 20. Juni und um 18:30 Uhr bist du wieder in Groningen. Aber wenn man fast 1,5 Jahre unterwegs war… kann ich dir sagen, dass man fast nie weiss, wie spät es ist und welcher Wochentag grad ist. Nur sehr selten weiss man Bescheid, weil man wissen muss, ob die Botschaft oder die Läden geöffnet sind. Oder weil man wissen muss, wie viele Tage man noch hat, bis das Visum abläuft. Oder weil zu Hause jemand Geburtstag hat, und man den gerne anrufen oder sms’en möchte. Aber eigentlich hat man null Gefühl für Zeit. Wozu sollte man auch? Das Wetter ist unterwegs anders, das tägliche Leben ist anders, einfach alles ist ander! Und was grad so schön ist, ist dass wir dieses ein wenig undeutliche Gefühl auch hier in Europa immer noch haben. Wie wir das merken? Dass wenn alle fragen „Wann kommt ihr denn zurück?“ wir eigentlich denken: „Tja, was sollen wir sagen und was spielt’s für eine Rolle? Wir sind einfach wieder da, wenn wir wieder da sind!“ Das ‚Getue mit der Zeit‘ sind wir uns gar nicht mehr gewöhnt. Ja, planen, das haben wir sicher viel getan. Täglich! Aber halt ganz anders als zu Hause. Und es wird wohl nur kurz gehen, und wir sind wieder im Trott. Aber noch nicht grad jetzt.

Also, liebe Leute, herzlichste Grüsse aus Meopar, unterwegs in Deutschland, wo die Sonne ab und zu durch die Wolken scheint, und wir später, inzwischen in 485km, bei unserem letzten Stopp ankommen werden. Und wir kennen da sogar schon einen ganz tollen Übernachtungsplatz…

Alexandra, Wouter & Meopar

P.s. Wenn ihr wollt, könnt ihr uns noch mit Fragen bombardieren. Wir werden beim Endbericht aus Holland alle (oft gestellten) Fragen beantworten und freuen uns besonders auf die Unüblichen! 😉

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