Iran (zum 2. Mal)

WIR DÜRFEN WIEDER!

Rechts fahren
Nach 5 Monaten links durch Thailand, Malaysia, Indien und Pakistan fahren, war es die Meinung, dass wir ab Iran wieder rechts fahren sollen. Also dachten wir uns: warum nicht? 😛 Ich fand es als Copilotin übrigens recht witzig, dass wenn ich mal aufschaute (ja, als Navigator steckt man seine Nase oft in Landkarten und ins GPS) im ersten Augenblick erschrak, weil ich dachte, dass wir auf der verkehrten Strassenhälfte fahren. Zum Glück sind aber wir noch jung und flexibel (haha) und haben uns inzwischen wieder bestens ans ‚good-old‘ rechts Fahren gewöhnt.

Leicht beschämt zugeben, dass wir Persepolis schon wieder nicht besucht haben …
Persepolis liegt in der Nähe der Stadt Shiraz und ist in Iran gleich berühmt wie der Eiffelturm in Paris, oder die Akropolis in Athen oder die Golden Gate Bridge in San Fransisco. Naja, so ungefähr jedenfalls. Und ja, wir hatten genau wie letztes Jahr zu wenig Zeit, um uns diese fantastische antike Stadt anzuschauen. Zu wenig Zeit haben, zu wenig Zeit freimachen… Vielleicht sind wir einfach zu wenig motiviert, um uns uralte Must-See’s anzukucken, damit man sie sich abhaken kann. Man sieht im Vornherein eh überall auf Fotos wie es da aussieht. Das entnimmt einem einen grossen Teil des Staunens, finde ich leider. Und manchmal ist etwas tatsächlich viel beeindruckender als auf den Fotos, und kann man sich kaum erholen vor lauter Staunen über alles, was der Reiseführer zu erzählen hat. Aber uns beeindrucken Dinge oft viel mehr, wenn man sie nicht erwartet. Also der schöne Vogel beim Frühstück in der Natur zum Beispiel (war das jetzt ein Buntspecht oder nicht?), oder eine verkommene Ruine, die plötzlich hinter einem Hügel auftaucht, oder eine spontane Begegnung mit einem enthusiastischen Dorfbewohner, mit dem man versucht zu kommunizieren. Unvergesslich! Und wen hat je einer gefragt, ob man in Iran im Zagros Gebirge war? Waaas, da bist du NICHT hingefahren?? Also das MUSST du dir echt anschauen, sonst hast du im Iran echt was verpasst… 🙂

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Fluchen über Iran
Diesmal ging das sms schicken überraschenderweise gut und scheinen fast alle Berichte angekommen zu sein. Von daher hatten wir also nichts auszusetzen. Vielleicht ging es letztes Jahr so oft schief, weil wir kurz vor den Wahlen da waren. Auch den Verkehr konnten wir viel besser aushalten als letztes Jahr. Wozu 2 Monate durch Indien fahren nicht alles gut sein können… Und die langweiligen Kebabs, die man überall kriegt, haben uns auch nicht gestört. Wir haben einfach oft selber gekocht oder beim Buffet von unserem genialen Hotel in Yazd gegessen. Ja, sogar das Kopftuchtragen ging etwas besser, da ich es unter anderem weniger ernst nahm als letztes Jahr. Vor allem beim Fahren trug ich bloss ein Minikopftuch oder einen Kapuzenpulli. Und nur wenn wir durch Städte fuhren oder ich irgendwo ausstieg, verkleidete ich mich im Vornherein, wie es sich gehört. Das alles ging eigentlich bestens.
Was uns diesmal wahnsinnig gemacht hat, aber dann auch echt völlig wahnsinnig, waren die Soldaten und Polizisten. Für Wouter ein Grund, nie wieder nach Iran zu fahren, für mich etwas weniger extrem. Wir hatten vor allem am Anfang und am Ende mit ihnen zu tun. Anfangs, weil wir durch die Region Baluchistan fuhren. Also kriegten wir da, wie in Pakistan, Eskorten.
Und am Ende unseres Irantrips beim Grenzübergang zur Türkei.
Nennt es ein Autoritätsproblem wenn ihr wollt, aber die unfreundliche und zeitraubende Art, wie wir sogenannt beschützt oder kontrolliert wurden, hat uns echt zur Weissglut getrieben. Das Krasseste war beim 3. Eskortenwechsel (wir waren grad mal 100km gefahren und wollten doch sehr gerne endlich weiter fahren), als wir sage und schreibe eine Stunde warten mussten auf die neue Eskorte, um anschliessend zu erfahren, dass die Typen die ganze Zeit über in der Polizeistation am Mittagessen gewesen waren, und dass wir deswegen so lange auf diesen Haufen Machos warten mussten, die uns anschliessend bloss 15km weiter brachten, weil wir da erneut auf die nächste Eskorte warten mussten (die selbstverständlich auch noch nicht da war, weil sie irgendwo noch aus der Wüste herkommen musste). Grrrrrrrrrr!

Zusammengefasst…
…war es recht speziell ein Land wie den Iran als weniger exotisch zu erfahren, bloss weil man zum zweiten Mal hinfährt. Aber deswegen hat’s uns nicht weniger gut gefallen. Denn abgesehen von den oben erwähnten Regierungsvertretern (da hab ich mich aber höflich ausgedrückt, oder?), hat der Iran eine wunderschöne Natur, liebenswerte Menschen, saubilligen Diesel und aussergewöhnliche antike Gebäude zu bieten. Ein Paradies für Overlanders also! Ich denke, dass ich da mal wieder hin fahre. Wer kommt mit?

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