India . [part 1]

INDI-JA ODER INDI-NEIN?
Und dann waren wir auf’s Mal in Indien…
Nach einer guten Woche schwitzen in Malaysia (Kuala Lumpur), um unser Auto zu verschiffen, sind wir jetzt plötzlich in Indien. Bloss 2.5 Stunden fliegen von Kuala Lumpur bis Chennai (früher Madras genannt) in Indien, aber eine völlig andere Welt. Alles ist hier anders… alles!

Von Malaysia können wir sagen, dass es recht westlich ist mit einer modernen und gut erhaltenen Infrastruktur, viele Hochhäuser, luxuriöse Hotels und Büros und moderne Autos. Malaysia ist zudem um einiges teurer verglichen mit Laos, Kambodscha und Thailand.

Chennai - Mamallapuram - Puducherry - Alundur - Kodaikanal - Munnar - KochiDer Übergang von Indien nach Malaysia ist dementsprechend sehr gross. Plötzlich befindet man sich in einem Land, wo 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Chaos herrscht, und was scheinbar niemanden stört. Tagsüber ist es extrem belebt und laut in den Strassen vor allem in Städten, aber auch in kleineren Dörfern. Und ständig passiert was… Männer ziehen durch die Strassen und schieben Karren voll Essen oder Kräuter vor sich hin, hupende Busse und Lastwagen, Ochsenwagen, Hühner, Ziegen, Fahrradtaxis, Motorradtaxis, Kühe und noch vieles mehr. Und das alles geht, rollt und fährt kreuz und quer durcheinander über den Weg… Busse und Lastwagen haben die meiste Macht im Verkehr. Die fahren am liebsten mitten auf der Strasse und hupen alle zur Seite. Nach den Lastwagen kommen die grossen Autos, wie unseres, nach den Autos kommen die Motorräder, danach Fahrräder und Fussgänger. Und noch was, de Kuh hat immer Vorrang! Sprich: Autofahren in Indien ist nicht immer spassig… sehr unberechenbar und langsam, aber sicher eine unvergessliche Erfahrung!

Ausser belebt und chaotisch ist Indien auch sehr bunt. In Indien hat man sich als Mann anständig zu kleiden mit einem Hemd und die Haare am liebsten zu einem Mittelscheitel gekämmt. Und es scheint, dass man in Indien als Mann nicht dazugehört ohne Schnurrbart. Echt fast jeder Mann hat hier einen grossen, dicken Schnauz. Zudem tragen viele Männer mit einer 70’er Hose mit auslaufenden Hosenbeinen und einer Art Elvismähne, die regelmässig gekämmt und eingefettet wird mit old-school Brillcream, haha! Die Frauen gehen in kunterbunten Saris (oder jedenfalls ‘etwas’ mit viel Stoff und das flattert) über die Strasse und tragen viele goldene Ringe, Nasenringe und andere glänzenden Schmuckstücke. Viele Häuser sind auch bunt gestrichen… gelb, grün, rosa, blau oder violett. Alles ist hier möglich und völlig okay. Was auch sehr farbig ist in Indien ist der viele Müll. Organisierte Müllentsorgung scheint’s hier kaum zu geben. Die Leute schmeissen einfach alles auf die Strasse oder in den Strassengraben, bis jemand das Ganze zu einem Häufchen fegt und es anzündet, einfach so mitten in der Stadt… Who cares?

Das Essen in Indien ist bis jetzt hervorragend, jedenfalls hier im Süden. Im Vornherein hatten wir so unsere Bedenken. Wir hatten die Horrorvorstellung von tagelang auf dem Klo sitzen gleich unmittelbar nach dem den ersten Bissen Essen. Aber unsere Erfahrung mit dem Indischen Essen ist bis jetzt prima. Wir erhalten uns am Leben mit herrlichen Chapatis. Das ist ein Teigfladen, ähnlich wie Crêpes oder Pfannkuchen. Diesen Fladen isst man – wie viele andere Gerichte – mit der Hand, und zwar mit einer Hand! Man reisst ein Stück ab, rollt es auf, tränkt es in einen deiner Currys und schiebt das Ganze anschliessend mit rechts in den Mund. Also nicht mit links! Die linke Hand soll man in Indien nicht benutzen zum Essen, den die verwenden die kein-Klopapier-sondern-Wasser-benutzenden-Indier um ihren Po zu putzen. Dementsprechend findet man es hier ‚igitt‘, wenn man bestimmte Dinge mit links tut.

Nebst Chapatis (Wouter’s Lieblingsgericht) essen wir auch vergleichbare aber natürlich völlig verschiedene Fladenbrote: Rava Dosai (Alexandra’s Leibgericht – vor allem das mit den Cashewnüssen), Porottas, Rottis, Naan Brot und so weiter. Man kriegt sein Essen übrigens nicht immer auf einem Teller serviert. In einigen Restaurants (die man hier übrigens ‚Hotel‘ nennt) kriegt man einen halben Meter Bananenblatt vor sich auf den Tisch. Dieses Blatt ist der Teller, worauf sie ein paar Löffel Reis und Curry schöpfen. Mit Rechts wurstelt man sich einen mundgrossen Happen zurecht und schiebt ihn sich in den Mund. Wie ein Affe. Wir trinken Chai, Kaffee und viel Wasser. Bier oder andere alkoholische Getränke sind unerwartet schwierig zu finden in Indien. Man muss sich echt erkundigen nach der Alkoholverkaufsstelle in der Nähe, denn selber würden wir die Hüttchen kaum unterscheiden können zwischen allen anderen Läden, Kiosken und so. Wie dem auch sei, bis jetzt sind wir noch nie erkrankt ab dem Essen hier. Wir hoffen, dass es so bleibt!

Also… Indi-ja oder Indi-nein?
Lassen wir es so sagen:

NEIN
* als Frau alleine über die Strasse (sehr nervig ständig angequatscht zu werden durch Typen, die in ihrer Anmache noch weniger originell sind als bei uns 14-jährige…)
* hupen (zwar was die Lautstärke betrifft nicht so krass, wie in China, aber dafür ist die Häufigkeit zum wahnsinnig werden)
* Unterkunft – „oh you want CLEAN sheets?“
* in der Öffentlichkeit pinkelnde und scheissende Männer
* die Krähen in Kochi – wie kann eine Stadt am Meer keine einzige weisse Möwe aber dafür tausende schwarze Krähen haben?

JA
* das süsse Kopfschütteln (anders als ja oder nein) der Inder, wenn sie höflich sein wollen
* Sprachen. Fand es im Flugzeug nach Chennai komisch, dass die Stewardessen (äh, Flight Attendants) alle Englisch sprachen. Aber als ich hörte, dass in Chennai und der umliegenden Provinz die Sprache Tamil (dieselbe wie auf Sri Lanka) gesprochen wird, und dass es im Rest des Landes 18 offizielle Sprachen und mehr als 1000 Dialekte gibt, schnallte ich, weshalb viele Landesgenossen nicht anders als Englisch miteinander reden können. Gewöhnungsbedürftig war ihre Aussprache. Kaum hatten wir uns ans Asiatische Verschlucken vieler Silben gewöhnt, mussten wir lernen, die schnellen wanna-badda-coddi Klänge zu entschlüsseln. 🙂
* völlig überfüllte Tuk-Tuks die Schulkinder nach Hause bringen
* Kioske mit altertümlichen Zahltelefonen für Leute, die kein eigenes Telefon haben, geschweige denn einem Handy
* Männer mit Röcken – oder eigentlich sind es eher Tücher, die sie sich um die Hüfte wickeln, und die sie entweder bis zu den Knien oder zum Boden hängen lassen und sich beim Gehen alle 200m erneut die Sache zurecht wickeln.
* die tiefgründigen Gespräche mit Passanten auf der Strasse: „Hello sir! Where are you from?“
Chavara, a magazine designated for young Christian Indians around Kochi who want go find a suitable marriage partner* Zeitschriften und Websites für junge Inder, die gerne arrangiert heiraten möchten. Im Gegensatz zu Dating-Websites westlichen Ländern, ist es die Meinung, dass der Mann (zusammen mit seinem Vater) bei einer netten Kandidatin zu Hause besucht. Wenn es nicht gut klickt, sucht man wieder weiter. Manchmal bis zu 10 Mal, bis ein passender Partner gefunden wird, wobei sich auch die Schwiegereltern gut miteinander verstehen können.
* Reklame Slogans. Es ist manchmal echt zum totlachen, was für Sprüche man sich hier ausdenkt, um ein Produkt oder einen Dienst anzupreisen. Mein Lieblingssatz bis jetzt war für ein Restaurant: “Never trust a skinny chef” (vertraue nie einem dünnen Chefkoch). Ich kann jeder Werbeagentur wärmstens empfehlen, einen Inder anzustellen. Kreative und urkomische Sprüche garantiert!

So, wir bleiben noch etwa 1 Monat in Indien. In den nächsten Tagen sind wir noch in der Provinz Kerala am Strand bei Kochi (Fort Cochin). Danach fahren wir nördlich nach Goa und auf alle Fälle nach New Delhi (für unsere letzen 2 Visa für Pakistan und Iran). Wir sind bis jetzt fast 50‘000km gefahren und haben noch… sagen wir mal 15‘000km vor uns. Wir sind also auf dem Rückweg, haha… Bis bald!



1 Comment

  • 1. adrian  |  March 4, 2010 at 05:03

    subtitles – leuk!


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